Die Band ABBA zu kennen, scheint unausweichlich. Die Älteren kennen sie seit ihrer Gründung und eher mauen Anfängen in 1972, die Mittleren haben noch die letzten Ausläufer mitbekommen und die Jüngeren kennen sie vor allem aus Remixen. Dass Agnetha mal mit Björn verheiratet war und Anni-Frid mit Benny, wissen auch fast alle. Und dass ABBA einer der größten schwedischen Musikexporte war, darüber mag keiner streiten.

Der Autor Robert Scott, Musik- und Filmreporter, der bereits Biografien über Scarlett Johansson, Heath Ledger, Lou Reed und Michael Jackson schrieb, kennt die vier Schweden, beziehungsweise Anni-Frid ist ja gebürtige Norwegerin, aber ganz genau. Akribisch arbeitet er sich in seinem Buch durch alle acht Alben und jeden Song. Den Anfang machen allerdings Kurzbiografien über Agnetha, Anni-Frid, Benny und Björn. Darin wird vor allem auf ihre musikalische Entwicklung eingegangen, denn alle vier feierten bereits vor der Gründung von ABBA beachtliche Erfolge.

Die nachfolgenden Kapitel sind nach Erscheinungsjahr der Platten und den darauf erschienen Songs gegliedert. Zu jedem Lied wird, wie der Buchtitel schon vorgibt, „die Geschichte zum Song“ geliefert. Dazu gibt Scott jeweils eine musikalische Bewertung ab, die sich wie ein Spannungsbogen aufbaut. Waren die Texte und Interpretationen am Anfang noch sehr geprägt von einem eher klischeehaften Bild der schwachen Frau und „gruseligen Ausrutschern“, wird es mit Waterloo und dem Sieg beim Grand Prix Eurovision de la Chanson in 1974 langsam besser. Trotzdem kann Scott noch einige Songs mit einem leicht ironischen Touch in die Mangel nehmen, zum Beispiel den „King Kong Song“. Er beschreibt, wie ABBA versucht, ihren eigenen Stil zu finden. Zahlreiche äußere musikalische Einflüsse, verschiedene Produzenten und Wegbegleiter formen schließlich ABBA zu einer weltweit anerkannten Pop-Band. Erwähnenswert ist hier, dass vor allem auf dem japanischen Markt so ziemlich von Anfang an fast alles gut lief, während sie sich ihren Erfolg in den USA und Großbritannien hart erarbeiten mussten. Aufgelockert wird das Buch durch zahlreiche Bilder aus der zehnjährigen Bandgeschichte. Etwas schade ist dabei, dass die Bilder nicht beschriftet sind.

Insgesamt ist das Buch „ABBA – Alle Songs und ihre Geschichten“ eine lesenswerte Lektüre für alle, die an der Musik der 70er und 80er Jahre interessiert sind und nicht nur durch ihre Textsicherheit bei den großen Hits auffallen möchten. Eine kleines bisschen Insiderwissen zum Glänzen: Dass ABBA so heißen wie sie heißen, war nur möglich Dank des gleichnamigen schwedischen Fischkonservenherstellers Abba, der 1974 seine Erlaubnis zum Bandnamen gab.

Das Buch ist erhältlich beim Koehler-Verlag, ISBN 978-3-7822-1362-2, und kostet 24,95 Euro.